James Tiptree Jr.s polysexuelle Aliens

… Guten Abend.

Mein Name ist Boy H. Werner, und ich freue mich, daß Sie alle hier sind. Hi. Hallo.  Ich möchte heute über einen der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren des letzten Jahrhunderts sprechen. Die Rede ist selbstverständlich von James Tiptree Jr….“

So beginnt der Vortrag des berühmten Literaturexperten Boy H. Werner, eines sehr gut aussehenden Humanoiden, der eine Passion für die Science Fiction hat, und ganz besonders für das Phänomen James Tiptree Jr.

James Tiptree Jr. war das Schriftsteller-Pseudonym von Alice B. Sheldon, eine maskuline Maskerade, strotzend von potenter Virilität.

Charlotte Pfeifer gibt sich, ebenso wie die Schriftstellerin Sheldon, ein männliches Pseudonym: Literaturexperte Boy H. Werner führt mit seiner warmherzig mansplainigen Art durch den Abend, der zu einer Liebeserklärung wird an die Science Fiction und ihre polymorphe Community, an diesen riesigen Pool der Zukunftsvisionen. Es ist aber auch Reenactment der Möglichkeiten, der Freiheit, die ein Pseudonym bietet: sich über den eigenen Körper, über die Materie hinaus zu begreifen.

Der Abend ist ein Vortrag, aber es ist auch ein Akt der Befruchtung, des Werdens, des Tötens, des Sterbens. Das Großartige, Gewaltsame an Tiptrees Werk und Sheldons Leben tritt an Performer und Publikum heran, ein Trip durch einen überbordenden, unendlichen Kosmos, in dem sich jedoch die Beschränktheit des irdischen Seins spiegelt.

Gefördert von der Hamburgischen Kulturstiftung, dem Bezirksamt Altona und der Lichthof Stiftung.

Spiel,Regie: Charlotte Pfeifer / Musik: Pascal Fuhlbrügge / Ausstattung: Gwendolyn Jenkins / Dramaturgie: Susanne Reifenrath 

… Der Abend wird zu einer faszinierenden Entdeckungsreise nicht nur in die Welt der Aliens, des Literaturbetriebs, sondern auch in die der Wahrnehmungsprägung von uns allen. Zum Schluss liegen die Zuschauer auf den bereit gelegten Wolldecken und schauen in einen auf die Decke projizierten Sternenhimmel und sinnieren mit Werner, was jenseits unseres Schubladendenkens noch alles vorstellbar wäre. …“ (Birgit Schmalmack auf hamburgtheater.de, 29.3.19)